Vom 27. bis zum 30. November 2019 fand in Forbach und Saarbrücken die 13. Ausgabe des Festival Primeurs statt, bei der man sechs neue Autor*innen des französischsprachigen Theaters kennenlernen konnte, deren Stücke zum ersten Mal in deutscher Übersetzung präsentiert wurden.

Die Stücke im Wettbewerb

Zur Eröffnung im Le Carreau – Scène nationale de Forbach et de l’Est mosellan gab es eine zweisprachige Lesung von »Pourama Pourama« von Gurshad Shaheman. In der französischen Uraufführung seines autobiographischen Textes steht Shaheman selbst als Performer auf der Bühne – bei der Primeurs-Lesung übernahm er den französischen Part. Am Donnerstag ging es dann in Saarbrücken mit dem Live-Hörspiel des SR 2 Kulturradio weiter, der die lyrisch-humorvolle Endzeitfabel »Wenn die Welle kommt« von Alice Zeniter vertonte und in der Alten Feuerwache, der Hauptlocation des Festivals, live auf Sendung ging. Freitag und Samstag waren dann jeweils zwei der Werkstattinszenierungen des Saarländischen Staatstheaters zu sehen, die vier junge Regisseur*innen mit dem Schauspielensemble nach den »Primeurs-Dogmen« (10 Probentage, minimalistisches Bühnenbild, gekürzte Stückfassung von max. 1 Stunde …) erarbeitet hatten: »Steve Jobs« von Alban Lefranc, »Elise – Ein ganzes Feld an Möglichkeiten« von Elise Noiraud, »Dream Job(s)« von Alex Lorette und »Der Sohn« von Marine Bachelot Ngyuen. Das zentrale Thema dieser 13. Festivalausgabe war die Autofiktion (»Pourama Pourama« oder »Elise«) und verwandte Genres wie die Biofiktion (»Steve Jobs«) und das dokumentarische Schreiben für das Theater (»Der Sohn«).

Das Rahmenprogramm

Abgerundet wurde das Festivalprogramm durch ergänzende Veranstaltungen wie einen Vortrag der Übersetzerin Claudia Hamm zum Thema »Autofiktion und Theater«, eine nächtliche Romanlesung, eine szenische Lesung des deutsch-französischen Jugendclubs von einem neuen Stück von Gwendoline Soublin (die 2018 im Wettbewerb eingeladen war) sowie den Publikumsgesprächen mit Autor*innen, Übersetzer*innen und Regisseur*innen. Am Ende des Festivalsamstags gab es noch eine Extraausgabe des sparte4-Formats »Melodien für Millionen« mit französischen Chansons.

Die Preise

Es gab in diesem Jahr noch eine Neuerung, nämlich den Publikumspreis (das »Lieblingsstück« als Gesamtbewertung für Stück und Inszenierung), da der Autor*innen- und der Übersetzer*innenpreis des Festivals erstmalig durch eine dreiköpfige Fachjury und dadurch unabhängig voneinander vergeben wurden. Die Fachjury bildeten Christa Hohmann vom Berliner Verlag Felix Bloch Erben, Anne Legill von den Théâtres de la Ville de Luxembourg und Prof. Dr. Patricia Oster-Stierle von der Universität des Saarlandes.

Den mit 3.000 € dotierten Autor*innenpreis erhielt Marine Bachelot Nguyen für ihr Stück »Der Sohn« (übersetzt von Claudia Hamm). Die Jury begründete ihre Wahl mit der gesellschaftlichen Relevanz des Textes und seiner starken weiblichen Erzählperspektive. »Der Sohn« behandelt das Wiedererstarken des Katholizismus in Frankreich und die zunehmende Normalisierung rechtsradikaler Ideen.

Der Übersetzer*innenpreis wurde in diesem Jahr gleich zweimal vergeben: Da die Fachjury die besondere Qualität der sechs Übersetzungen im Wettbewerb unterstrichen und zwei Preisträger auserkoren hatte, verdoppelte der »Verein der Freunde des Saarländischen Staatstheaters e. V.«, vertreten durch Rolf Petzold, spontan das ausgelobte Preisgeld. So durften sich sowohl Franziska Baur für ihre Übersetzung von »Elise - Ein ganzes Feld an Möglichkeiten« von Elise Noiraud als auch Christian Driesen für seine Übersetzung von »Steve Jobs« von Alban Lefranc über jeweils 1.000 € Preisgeld freuen.

Der undotierte Publikumspreis für das »Lieblingsstück« der Zuschauer*innen ging an die Autorin Marine Bachelot Nguyen und die Regisseurin Milena Mönch für »Der Sohn«.

Marine Bachelot Nguyen
Primeurs-Autor*innenpreis 2019, Primeurs-Publikumspreis 2019

Franziska Baur
Primeurs-Übersetzer*innenpreis 2019

Christian Driesen
Primeurs-Übersetzer*innenpreis 2019

Milena Mönch
Primeurs-Publikumspreis 2019

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Mit freundlicher Unterstützung des französischen Ministeriums für Kultur/DGCA

Herzlichen Dank an die Sponsoren und Unterstützer