Liebe Freund*innen des Festivals,

seit Jahren ist das Festival Primeurs fester Bestandteil der grenzüberschreitenden Kulturarbeit in unserer Region. Es ist ein Festival, das alle Beteiligten zusammenrücken lässt. Das ist in Zeiten der Corona-Krise physisch oft nur eingeschränkt möglich, so wie aktuell. Das Organisationsteam hat dennoch ein digitales Programm zusammengestellt, das dem Anspruch des Festivals gerecht wird. Als Schirmherrin freue ich mich gerade in diesem außergewöhnlichen Jahr besonders darüber, dass das Festival – in neuer, ungewohnter und spannender Form – stattfinden kann. Im Mittelpunkt der diesjährigen 14. Festivalausgabe steht eine höchst aktuelle Frage, nämlich die nach der Haltung jeder und jedes Einzelnen zu dem System, in dem wir leben. Diese Frage regt nicht nur zu einer engagierten künstlerischen Auseinandersetzung an, sondern mittels der online-Ausgabe des Festivals auch zu gegenseitigem Austausch. Sie sind herzlich eingeladen – angeregt durch die Texte, die uns die teilnehmenden frankophonen Theaterautor*innen in den verschiedenen Formaten näherbringen – die vielen „Zwischenmenschenräume“ zu entdecken, die es auch im Corona-Jahr gibt. Das Festival Primeurs bietet dafür einen spannenden Rahmen.

Ihre

Christine Streichert-Clivot
Ministerin für Bildung und Kultur

 

Liebes Publikum,


Neue Wege des Erzählens sind deshalb so bereichernd, weil sie uns aus unseren üblichen Mustern herauslocken und das Neu-Hinhören fast beiläufig trainieren – Fähigkeiten also, die unsere gesellschaftliche Gestaltungskraft wesentlich unterstützen. Das Festival Primeurs setzt dem pandemischen Abstand die literarische Nähe zur Frankophonie, setzt der Distanz »Nachbarschaft« entgegen: Vom 19. November 2020 bis 15. Januar 2021 findet die diesjährige, in Reaktion auf die jüngsten Covid-Maßnahmen in Deutschland und Frankreich binnen von 3 Wochen zu einer digitalen Version umgearbeitete Ausgabe des Festivals statt, das nunmehr seit 14 Jahren frankophone Dramatik nach Deutschland bringt.

Auch befinden sich mehrere zweisprachige Angebote darunter. Sie merken, wir schöpfen die uns zur Verfügung stehenden Mittel aus, um Sie zu erreichen und weiten den Festivalzeitraum daher auch um mehrere Wochen aus: bis zum 15. Januar können Sie wöchentlich ein weiteres qualitativ hochwertiges Video unserer szenischen Lesungen entdecken.

Unser Lektürekomitee der Partnerinstitutionen – Stéphanie Carrier-Gailmain, Laurence Lang, Valérie Deshoulières, Anette Kührmeyer und Bettina Schuster-Gäb – hat sich für eine Auswahl unterschiedlichster Genres aus Québec, Frankreich und der Schweiz entschieden, die das »Ich in der Revolte« zeigen. Wir begleiten Protagonisten dabei, wie sie ihren Bezug zur Gesellschaft hinterfragen oder gar entdecken: etwa die junge Rebellin im Erziehungsheim aus Mehr gibt’s nicht zu sagen von Thierry Simon, deren Wut sie zur Aussteigerin macht oder Véronique aus dem Science-Fiction-Drama Phantomschmerz von Tiphaine Raffier, die in einer dystopischen Zukunft der Transparenz und Ewigkeit gefangen scheint – beide loten risikobereit ihren Standpunkt aus. In Versagen von Blandine Bonelli wird die staatliche Fürsorge anhand einer überforderten Jugendamtsleiterin portraitiert, während die Überforderung in Manifest der Jungen Frau von Olivier Choinière ein Antrieb ist, kapitalistische Prinzipien zu diskutieren. Auch die Drillingsschwestern Claudine, Claudie und Claudette aus dem aberwitzigen Stück Feuersturm von David Paquet suchen nach dem Schlüssel zum gelungenen Leben. Zuletzt sind es Stimmen aus weltweiten Migrationsbewegungen, die im Stück Wutströme der Kosmopolitin Julie Gilbert Konflikte mit Hoffnungen aufeinanderprallen lassen.

Ein Stück ist mehr als Worte und Form – der Stil, die Sprache, der Stoff und der Zeitpunkt machen die politische Dimension aus, die die Zuhörenden für die Welt »draußen« inspiriert.
Lassen Sie das mit sich geschehen, auch oder gerade in dieser Zeit.

 

Laurence Lang
Directrice artistique par Interim
du Carreau

Prof. Thomas Kleist
Intendant des SR

Valérie Deshoulières
Institut Français Saarbrücken

Bodo Busse
Generalintendant SST

Mit freundlicher Unterstützung des französischen Ministeriums für Kultur/DGCA

Herzlichen Dank an die Sponsoren und Unterstützer