Grußworte 2019

3 Fragen an Doris Pack, Schirmherrin 2019 

Woran denken Sie bei Primeurs?

Zunächst natürlich an die ersten roten Weine des Jahres. Dann aber an ein sehr interessantes Theaterfestival mit seinen »Werkstattformaten«.

Welche Rolle kommt dem Festival zu, auch in abgrenzung zu anderen Festivals der Region?

Die Besonderheit des Festivals Primeurs liegt darin, dass es viele Einblicke in die Entstehung sowie die Übersetzungsarbeit von Theaterstücken gibt. Es ermöglicht ein sehr direktes, intensives Kennenlernen der Autor*innen, Übersetzer*innen und ihrer Stücke.

Warum ist für dieses Festival hier der ideale Ort?

Das liegt doch auf der Hand – wir sind ja DIE europäische Region, in der Theater grenzüberschreitend schon lange erfolgreich arbeiten. Außerdem sind die Wege kurz und wir sind es gewohnt, mit den Nachbarn zu genießen und zu feiern.

Doris Pack
Stiftung für die deutsch-französische kulturelle Zusammenarbeit

 

 

Liebes Publikum, liebe Freund*innen,

im Januar 2019 wurde die deutsch-französische Freundschaft mit einer Neuauflage des Élysée-Vertrags besiegelt – wir feiern sie hier nun zum 13. Mal im November auf unsere Art: Wir holen wieder sechs neue französischsprachige Theatertexte samt Autor*innen und Übersetzer*innen zum Festival Primeurs. Unser Lektürekomitee der Partnerinstitutionen (Stéphanie Carrier-Gailman, Laurence Lang, Valérie Deshoulières, Anette Kührmeyer und Corinna Popp) hat für diese Festivalausgabe um die 50 Stücke gelesen, von denen auffällig viele dem Genre der Autofi ktion angehörten. Die Autofi ktion, eine Art persönliches Bekenntnis, für dessen Wahrheitsanteil es keine Garantie gibt, ist momentan in der gesamteuropäischen Literatur ein großes Thema. Im frankophonen Theater gibt es mit dem »Seul-en-scène« aber noch eine Entsprechung, die so in Deutschland kaum existiert - selbst der Begriff hat keine Übersetzung. Dieses anscheinend sehr französische Genre hat uns interessiert und wir haben fürs Festival zwei Autofiktionen übersetzen lassen: »Pourama Pourama« von Gurshad Shaheman und »Elise – Ein ganzes Feld an Möglichkeiten« von Elise Noiraud. Die Autofiktion hat einiges von der Dokumentation, und daraus schöpft das Stück »Der Sohn« von Marine Bachelot Ngyuen, das das Wiedererstarken des Katholizismus und Nationalismus in Frankreich in Form eines Geständnisses einer Frau reflektiert. Um Biographien geht es auch in Alban Lefrancs Texten, jedoch nicht um die eigene, sondern um fremde, sagenumwobene.  Sein Stück »Steve Jobs« kreist um die philosophische Frage »Was ist der Mensch?« und um die Problematik der immer unpersönlicheren digitalen (Arbeits-)welt. Um unsere Arbeitswelt und die damit verbundene Entfremdung geht es auch beim Vertreter Belgiens im Festival, Alex Lorette: »Dream Job(s)« steht mit einem relativ großen Figurenpersonal im Kontrast zu den anderen vier oft sehr intim wirkenden Texten. Genauso die märchenhafte ländliche Welt in »Wenn die Welle kommt« von Alice Zeniter, in dem die »Welle« der Meeresspiegelanstieg ist, der eine französische Insel bedroht.

Was ist uns Frankreich? Urlaubsland und Savoir vivre, Wein, Käse, Meeresstrände? Ja, und vieles mehr, aber wir lieben es auch als Land der Literatur. Der Text, die »Schreibe« eines Autors, hat hier einen anderen Stellenwert als im deutschen Theater. Oft entsteht ein Stück auch ganz anders, näher an der Bühne und bei der Autofi ktion näher am Leben des Autors. Dem spürt das Festival Primeurs nach und wir freuen uns auf viele ganz persönliche Begegnungen! Und besonders natürlich auf die mit Ihnen: dem Publikum.

Laurence Lang
Directrice artistique par Interim
du Carreau

Prof. Thomas Kleist
Intendant des SR

Valérie Deshoulières
Institut Français Saarbrücken

Bodo Busse
Generalintendant SST

Mit freundlicher Unterstützung des französischen Ministeriums für Kultur/DGCA

Herzlichen Dank an die Sponsoren und Unterstützer